© WKÖ/Nadine Studeny

„Es würde zu Lasten kleinerer Händler gehen!"

WKÖ-Handelsobmann Dr. Rainer Trefelik setzt sich gegen die Pläne der Regierung für Einwegpfand & Co ein. Warum?

29.09.2020
Plastikmüll
29.09.2020

Auch dem Handel ist es ein Anliegen, Plastikmüll zu reduzieren“, hält Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, fest. „Dafür gibt es jedoch geeignetere Wege als Einwegpfand auf PET-Flaschen, eine Quote für Mehrwegflaschen oder eine Abgabe auf Plastikverpackungen.“ Für welchen Weg Trefelik plädiert, erzählt er im Interview!

Wieso wäre ein Einwegpfand für den Handel nicht tragbar?

Rainer Trefelik: „Einwegpfand wäre für den LMH mit massiven Belastungen verbunden. Insbesondere für die kleineren Händler ist ein Pfandsystem nicht tragbar. Es wären hohe Investitionskosten, u. a. für teure Rücknahme-Automaten (Kosten: 25.000 Euro aufwärts). Diese Investitionen können sich nicht amortisieren, da sie zu keinen Mehreinnahmen führen. Hinzu kommen Kosten für Wartung und Reparaturen und zusätzlicher Platzbedarf. Dazu erfordert das Handling der zurückgegebenen Flaschen einen zusätzlichen Zeit- und damit Personalaufwand. Und nicht zuletzt darf man auch die hygienischen Probleme durch die schmutzigen und verklebten Flaschen und Dosen nicht vergessen.“

Mit wie viel Mehrkosten rechnen Sie in diesem Fall?

Trefelik: „Die vom Ministerium in Auftrag gegebene Studie kommt auf Kosten von 117 Millionen Euro, wobei allerdings die Kostenbelastung für den Lebensmittelhandel stark unterschätzt wurden. Nach unseren Berechnungen kommt zu den in der Studie errechneten Kosten nochmals ein dreistelliger Millionenbetrag hinzu.“

Für viele Händler nicht tragbar ...

Trefelik: „Insbesondere für kleine Händler wäre die Mehrbelastung durch ein Einwegpfand wirtschaftlich nicht tragbar. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten ist Österreichs Gemeindestruktur im ländlichen Raum äußerst kleinstrukturiert (+/–1.000 Einwohner/Ort). In solchen Gemeinden werden vielfach kleine Nahversorgungsgeschäfte von selbstständigen Kaufleuten erfolgreich betrieben, was wesentlich zur Lebensqualität der Bevölkerung beiträgt. Ihre Existenz wäre durch die Einführung eines Einwegpfands massiv gefährdet, denn sie stünden vor der Wahl entweder wirtschaftlich untragbare Investitionen durchzuführen oder einen Rückgang der Kundenfrequenz in Kauf nehmen zu müssen. Denn ein Einwegpfandsystem verhindert, dass Kundinnen in jene Geschäfte, die Plastik-Pfandflaschen nicht annehmen können, kommen. Damit würde dieser Plan überwiegend zu Lasten kleinerer Geschäfte gehen, die die Nahversorgung sichern. Und das kann doch niemand ernsthaft wollen.”

Wie wollen Sie das verhindern?

Trefelik: „Die politische Willensbildung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch in vollem Gange und die WKÖ im Kontakt mit allen politischen Entscheidungsträgern. Wir gehen davon aus, dass unsere starken Argumente gehört werden und es zur Umsetzung der ökologisch, ökonomisch und sozial besten Lösung kommt, um die EU-Kreislaufwirtschaftsziele in Österreich zu erreichen. Wie das aussehen kann, zeigt der „10-Punkte-Plan für eine alltagstaugliche Kreislaufwirtschaft“.

Was sieht der 10­-Punkte­Plan vor?

Trefelik: „Es ist ein umfassendes Konzept für Betriebe, Haushalte und Außer-Haus-Konsum. Damit soll vermieden werden, dass Wertstoffe als Müll entsorgt werden. Zudem ermöglicht es den Menschen, sich in jeder Konsumsituation umweltgerecht zu verhalten, und es werden zusätzliche Verwertungs- pfade geöffnet. Dieses Konzept kommt den Konsumenten, der Wirtschaft und somit dem rot-weiß-roten Standort billiger als ein isoliertes Vorgehen zu einzelnen Zielen oder Segmenten. Unser Modell erspart alle Kosten, die ein Pfandsystem mit sich bringen würde – also mindestens 60 Mio. Euro pro Jahr.“

Wie steht es mit Mehrweg?

Trefelik: „Schon heute bietet der LEH eine breite Palette an Getränken in Mehrwegflaschen an. Immer wieder kommen neue Mehrweg-Innovationen auf den Markt. Klar ist aber auch, dass die Konsumenten bei bestimmten Produkten gerne zu Einweg greifen. Dennoch wird der Handel Mehrweg auch in Zukunft überall dort anbieten, wo Mehrweglösungen nachgefragt werden und es ökologisch sinnvoll ist. Gleichzeitig ist aber zu berücksichtigen, dass Mehrweg nicht in allen Fällen umweltfreundlicher ist als Einweg (dies hängt u. a. von der Transportdistanz ab). Der ökologische Fußabdruck von Einwegflaschen konnte in den letzten Jahren aufgrund steigender Recyclingquoten und Rezyklat-Anteilen deutlich reduziert werden und wird sich durch den weiteren Ausbau des Recyclings in den kommenden Jahren noch weiter verbessern.
Daher ist eine sachliche, differenzierte Betrachtung erforderlich, anstatt simplen Schwarz-Weiß-Denkens. Den LEH gesetzlich dafür verantwortlich zu machen, dass Konsumenten eine bestimmte Menge an Mehrweg- produkten kaufen, halten wir weder für ökologisch sinnvoll noch für juristisch argumentierbar. Wir treten daher auch in Zukunft für den Grundsatz der Angebotsvielfalt und Wahlfreiheit der Konsumenten ein.“

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