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Interview

Ministerin Schramböck zur Corona Wirtschaftskrise

Wie lange die Krise andauern wird, kann auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck aktuell nicht sagen. Aber sie verrät an welche Stellen sich Unternehmen wenden können und warum niemand befürchten muss zu kurz zu kommen – ein Telefonat in stürmischen Zeiten.

19.03.2020
Corona

Die Corona-Krise hat enorme Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft. Womit müssen wir rechnen?

Margarete Schramböck: „Ich kann hier noch keine Größenordnung nennen. Wir konzentrieren uns gerade mit ganzer Kraft darauf Einbußen zu verhindern und den Unternehmerinnen und Unternehmern beizustehen in dieser Situation, die bestimmt die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg ist."

Welche Unternehmen haben Sie dabei besonders im Blick?

Margarete Schramböck: „Wir werden alle Betriebe in allen Bereichen unterstützen. Das ist ganz wichtig. Es geht nicht nur um große Leitbetriebe, sondern auch um den Mittelstand, um Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe, um EPU und insbesondere auch um Familienbetriebe. Sie alle werden wir unterstützen und durch diese Phase begleiten. Dabei werden wir auch nicht auf die neuen Selbstständigen vergessen, die eine besonders schwierige Situation haben. Wir werden auf der ganzen Breite helfen müssen und haben dafür ein Hilfspaket mit 38 Milliarden Euro geschnürt."

Wie lange das soziale Leben und damit auch die Wirtschaft lahmgelegt sind, weiß noch niemand. Denken Sie, dass es bei den 38 Milliarden bleiben wird?

Margarete Schramböck: „Die Kosten spielen bei der Bewältigung dieser Krise keine Rolle. Wir geben die Unterstützungen, die es braucht. Wir haben vier Milliarden als Soforthilfen mobilisiert und nun weitere 25 Milliarden als Nothilfe für besonders betroffene Branchen. Darüber hinaus stehen Steuerstundungen im großen Ausmaß zur Verfügung, genau wie Garantien für Kredite. Damit wollen wir die Liquidität aufrechterhalten und möglichst viele Arbeitsplätze sichern."

Gibt es in der Regierung bereits Szenarien, wie lange der Stillstand in dieser weitreichenden Form dauern wird?

Margarete Schramböck: „Das hängt, genau wie die Frage der Mittel, allein von der Dauer des Corona-Virus ab. Er wird sich ausbreiten und bleiben, bis wir unsere sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren. Dabei kann jeder mithelfen, in dem er einfach nicht mehr hinausgeht. Mir ist klar, dass jetzt die schöne Zeit kommt, wo viele Spaziergänge machen, aber aktuell darf man nichts riskieren. Um diese Krise zu überwinden, ist jeder von uns gefragt! Jeder einzelne kann durch verantwortungsvolles Verhalten etwas beitragen."

Aber so lange auch nur ein einziger Mensch in Österreich mit dem Coronavirus infiziert ist, kann die Verbreitung jederzeit wieder explodieren – selbst, wenn sie schon eingedämmt war. Kann sich die Situation überhaupt lockern, bevor entsprechende Impfstoff

Margarete Schramböck: „Der Gesundheitsminister arbeitet intensiv daran. Aber jetzt müssen wir vor allem die Verteilungskurven abflachen, damit das Gesundheitssystem die schweren Fälle ausreichend behandeln kann. Wenn man die Anzahl der sozialen Kontakte um 25 % reduziert, hat das eindeutige Auswirkung auf die Anzahl der Neuinfektionen. Sie sinken um 50 %. Diese Zahlen basieren auf Berechnungen und Erfahrungen aus China. Wir lernen daraus und setzen entsprechende Maßnahmen. Im medizinischen Bereich arbeite ich in meiner Funktion als Forschungsministerin gemeinsam mit der Klimaministerin intensiv an Lösungen."

 

Welche Initiativen setzen Sie?

Margarete Schramböck: „Wir legen zum Beispiel einen 20 Millionen Euro schweren Fonds auf, damit jene Medikamente, die schon so weit sind, rasch in die klinische Forschung gehen können. Dazu gibt es einen Emergency Call der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Wir unterstützen also österreichische Unternehmen dabei, Medikamente zu entwickeln, um rasch eine Heilungsmethode zu haben. Wir sind an der Heilung schon nahe dran."

Was bedeutet „nahe dran“ konkret?

Margarete Schramböck: „Das lässt sich noch nicht absehen. Aber Spitzenwissenschaftler wie der Genetiker Josef Penninger, der schon ein Medikament gegen SARS entwickelt hat, arbeiten unter Hochdruck an dem Thema. Meine Aufgabe ist es, die Gelder zu Verfügung zu stellen."

 

 

Wie unbürokratisch werden die Bewilligung der Unterstützungen klappen?

Wir wissen etwa von der AWS, die Garantien für Unternehmen abwickelt und bereits hunderte entgegen genommen und abgewickelt hat, dass bislang alles sehr gut funktioniert. In den Institutionen sind die notwendigen Ressourcen vorhanden und die Reaktionszeiten sind sehr kurz. Aber man muss auch Verständnis haben, dass der Ansturm gerade sehr groß ist. Aber: Niemand wird zurückgelassen. Es sind genügend Mittel vorhanden." 

Unsere Wirtschaft war vor der Krise super und wird es danach wieder sein!

Bundesministerin Margarete Schramböck

Bei welchen Stellen können Unternehmen jetzt noch um Unterstützungen ansuchen?

Für Unternehmen gibt es folgende Wege: Sie können erstens bei der Sozialversicherung um Stundung ansuchen und ihre Bemessungsgrundlage herabsetzen lassen sowie  auch den Erlass der Verzugszinsen beantragen. Der zweite Weg führt zum AMS, um Corona-Kurzarbeit anzumelden. Der dritte zur AWS, um Garantien zu beantragen. Die Mitarbeiter sind schon gut eingearbeitet, es sollte also schnell gehen.

Besonders schlimm ist für viele Betriebe nicht nur die Lage selbst, sondern auch die Ungewissheit, die damit einhergeht …

Die Unternehmerinnen und Unternehmern Österreichs sind mutig, sehr mutig. Wir vertrauen ihnen und sie können auch Vertrauen in uns setzen, dass wir die richtigen Maßnahmen setzen, Geld zur Verfügung stellen und sie durch diese schwierige Phase führen. Wir werden vor allem darauf achten, Maßnahmen zu setzen, um die Mitarbeiter halten zu können. Meine beste Freundin hat eine Putzerei, bei der das Team seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Durch Corona-Kurzarbeit und die Stundung der Sozialversicherungsbeiträge vom ersten Tag an, kann sie das Team halten. Wir arbeiten konstant an Lösungen und ich bin dankbar für Inputs, wie wir etwas ändern könnten, wenn sich Fehler einschleichen. Ich bitte alle Unternehmen: Haben Sie Vertrauen! Es wird vorüber gehen. Es ist ein Virus, der verschwinden wird. Unsere Wirtschaft war vor der Krise super und wird es danach wieder sein!

Autor: Mag. Stephan Strzyzowski

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