Tirol: Neue Prämie soll Kalbfleischabsatz stärken

Die Tiroler gehen einen wichtigen Schritt voraus & wollen mit einer Prämie den Absatz von heimischen Fleisch steigern.

19.11.2020
Kalb
19.11.2020
© Pixabay

Siebzig Prozent des in Österreich konsumierten Kalbfleisches werden importiert, nur 30 Prozent kommen aus heimischer Produktion. Gleichzeitig werden über 50.000 Kälber jedes Jahr exportiert, die Tiere werden mitunter im Alter von nur 14 Tagen in Transporten über tausende Kilometer transportiert. In Spanien oder Holland im Eiltempo auf Vollspaltenböden unter Einsatz von Palmöl gemästet. Das Fleisch wird dann wieder nach Österreich importiert und landet unerkannt auf den heimischen Tellern. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass heimisches Kalbfleisch, das nach höchsten Tierwohl- und Umweltstandards produziert wird, teurer ist als die Importware.

Darüber hinaus drückt der Gastro-Lockdown massiv auf die heimischen Fleischpreise. Wie es in den nächsten Wochen weitergeht, ist ungewiss. Die Tiroler Landesregierung reagiert mit einem neuen innovativen Förderangebot.

Land Tirol fördert Kälberaufzucht im Inland!

Die Tiroler Landesregierung hat deshalb eine weitere Initiative gestartet, um den Absatz von heimischen Qualitätsfleisch im Land zu steigern und damit auch Kälbertransporte ins Ausland zu vermeiden. Mit einer Beihilfe zwischen 50 und 150 Euro pro Kalb, das in Tirol mit Vollmilch aufgezogen wird, können Tiertransporte verringert und die Regionalität gestärkt werden.

„Wir wollen damit die Anzahl der Kälber, die in andere EU-Staaten oder auch in Drittstaaten exportiert werden, verringern, das Angebot an heimischen Kälbern vor allem zeitlich an die Bedürfnisse des Marktes angleichen und Tiertransporte insgesamt hintanhalten. Dafür gewähren wir für leichte Kälber einen Zuschuss von 50 Euro, für schwere Kälber einen Betrag von 150 Euro”, stellt Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler die neue Förderung vor. 

Diese wurde am ersten Tag des Lockdown Vol 2, also am Dienstag, 17. November 2021, von der Tiroler Landesregierung beschlossen, wird ausschließlich vom Land Tirol finanziert und ist vorerst für das verbleibende Jahr 2020 sowie für 2021 budgetiert. Gefördert wird die Produktion von Vollmilchkälbern für den österreichischen Markt, die in Tirol geboren, aufgezogen und gemästet werden, und die innerhalb von fünf Tagen nach Abgabe vom Betrieb in Österreich geschlachtet werden müssen. Die Beihilfe soll die Mehrkosten für den Vollmilcheinsatz abdecken und ist ein weiteres klares Bekenntnis des Landes zur Qualitätsfleischproduktion.

Weitere Maßnahmen notwendig

„Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit von heimischem Kalbfleisch stärken. Mit jedem Stück Kalb- oder Rindfleisch, das in Tirol auf den Teller kommt, steigt naturgemäß auch die Zahl der Kälber, die in Tirol aufgezogen und auch hier geschlachtet werden. Mehr Tiroler Fleisch auf dem Teller heißt somit weniger Tiertransporte auf der Straße“, verdeutlicht LH-Stv. Josef Geisler und appelliert: „Die Konsumenten haben es in der Hand. Kaufen Sie heimisches Fleisch!“.

Für Geisler ist klar, dass eine Steigerung der im Inland vermarkteten Mengen nicht kurzfristig eintreten werde und weitere Maßnahmen wie eine Forcierung der Verwendung von heimischem Qualitätsfleisch in den öffentlichen Küchen und eine umfassende Herkunftskennzeichnung notwendig seien. Die Förderung von schweren Mastkälbern ist saisonal für die zweite Jahreshälfte vorgesehen. Damit will man erreichen, dass Belegungen und daraus resultierende Abkalbungen so gewählt werden, dass die heimischen Kälber in der zweiten Jahreshälfte und damit auch in der Weihnachtssaison für den Markt verfügbar sind.

 

Qualitätsfleisch aus Tirol

Das Land Tirol hat bereits in der Vergangenheit viele Initiativen gesetzt, um den Absatz von heimischem Qualitätsfleisch zu erhöhen – und die Nachfrage der Konsumenten ist auch stetig gestiegen. „Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnen wir im Lebensmitteleinzelhandel eine deutliche Zunahme“, sieht der Bauernbundobmann positive Anzeichen für eine nachhaltige Entwicklung am Fleischsektor. Diese Erfolge der Qualitätsfleischprogramme der Agrarmarketing Tirol können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fleischabsatz Richtung Gastronomie, Hotellerie und auch Seilbahnwirtschaft wie bereits im Frühjahr zum Erliegen gekommen ist.

Erfreulich sind die Entwicklungen beim „Tiroler Almrind“. Hier liegt die vermarktete Menge im ersten Halbjahr 2020 bereits um ein Viertel über der im gesamten vergangenen Jahr abgesetzten Stückzahl. Wurden 2019 493 Stück mit dem Qualitätssiegel „Tiroler Almrind“ vermarktet, waren es in den ersten sechs Monaten bereits 613 Stück.

Sehr gut entwickelt sich auch die Marke „Kalbli“. Hier wurden im ersten Halbjahr 2020 bereits 80 Prozent der gesamten Vorjahresmenge umgesetzt. Und auch der „Grauvieh Almochs“ und der „Tiroler Jahrling“ sind auf Erfolgskurs.   

Weitere Impulse erwartet man sich von der Aufnahme der Qualitätsstandards „Vollmilchkalb“ und „Kalb rosé“ in das AMA-Gütesiegel. Damit sollen im Rahmen der österreichischen Kalbfleischstrategie neue Absatzschienen etwa über den Handel erschlossen werden.

Wesentlichen Schritt in Richtung Tierwohl

Auch der Tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger ist ob des weiteren Schrittes in Richtung heimisches Qualitätsfleisch begeistert und lobt via Facebook: „Die Tiroler Landesregierung hat heute einen wesentlichen Schritt in Richtung Tierwohl, aber auch in Richtung einer höheren Wertschöpfung beschlossen. Mit einer Beihilfe zwischen 50 und 150 Euro pro Kalb, das in Tirol mit Vollmilch aufgezogen wird, können Tiertransporte verringert und die Regionalität gestärkt werden. Langfristig braucht es auch in der Vermarktung ein klares Bekenntnis zu Qualität und Herkunft, damit die Tiroler Landwirtschaft auch in Zukunft Bestand hat.”

Lob vom Tierschutzvolksbegehren

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Forderung in Tirol aufgegriffen wurde und die heimischen Landwirte nun eine konkrete Unterstützung für die Aufzucht der Kälber im Inland erhalten. Das reduziert hoffentlich die grausamen Kälberexporte. Das ist ein erster wichtiger Schritt, doch gleichzeitig müssen wir für Transparenz beim Essen sorgen, sonst verpufft der Effekt dieser Maßnahme. Daher appellieren wir erneut an Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und ihre Freunde in der Wirtschaftskammer, ihre Blockade gegen eine verpflichtende Transparenz bei Lebensmitteln in Handel, Gastronomie und öffentlichen Küchen endlich aufzugeben. Tirol zeigt den Weg vor, nun sollte die Volkspartei auch auf Bundesebene nachziehen“ so Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehrens

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