Bulgarien

EU in Gefahr? ASP breitet sich in Bulgarien aus

EU in Gefahr? Afrikanische Schweinepest wütet in Bulgarien Das Deutsches Institut für Tiergesundheit warnte jetzt vor Einschleppung.

13.01.2020
Schweinebestand

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) plagt immer neue Gebiete in Bulgarien. In einer großen Industriefarm in der Region Warna im Nordosten müssen nun gut 39.600 Schweine getötet werden, wie das bulgarische Staatsfernsehen BNT laut dpa berichtete. Die Farm in dem Dorf Brestak ist einer von insgesamt vier neuen Seuchenherden in Bulgarien, die seit Anfang 2020 nachgewiesen wurden.

In einem großen Schweinebetrieb im nordöstlichen Raum Schumen hatte am Dienstag die Tötung von 24.500 Tieren begonnen. Ein Teil der Schweine soll aus der Industriefarm im Raum Warna stammen, berichtete der Fernsehsender bTV. Die beiden anderen neuen ASP-Herde befinden sich im Raum Sliwen im Südosten und bei Gabrowo im Balkangebirge.

Wegen der Afrikanischen Schweinepest waren 2019 in Bulgarien Zehntausende Schweine in Großbetrieben und auch auf Bauernhöfen getötet worden. Wegen des Ausbruchs der ASP im Nachbarland Rumänien hatte Bulgarien 2018 einen rund 130 km langen Schutzzaun entlang der Grenze errichtet. Rumänien hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche und bereits auch 2020 mehrere Ausbrüche von Schweinepest in Betrieben.

Experten: Risiko des Eintrags durch infizierte Wildschweine deutlich gestiegen

Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die ursprünglich auf Afrika begrenzt war. Ab Juni 2007 breitete sie sich von Georgien in die Nachbarländer aus. Seit 2014 tritt sie in den baltischen Staaten und Polen auf, 2017 wurden Ausbrüche in der Tschechische Republik, in Moldawien und Rumänien festgestellt. Im Jahr 2018 wurden erste Fälle in Ungarn, Bulgarien und Belgien sowie in China gemeldet, im Jahr 2019 in der Slowakei, Serbien, Mongolei, Vietnam, Kambodscha, Nordkorea, Myanmar, Südkorea, Philippinen, Ost-Timor, Indonesien und Laos.

In Anbetracht der weiterhin zunehmenden geografischen Ausbreitung der Schweinepest - sowohl außerhalb als auch innerhalb der EU bei Haus- und Wildschweinen als auch des Auftretens von Fällen in grenznahen Regionen - wurde Ende Dezember 2019 vom deutschen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) das Risiko einer Einschleppung der ASP in die BRD bewertet. "Sprünge der ASP über größere Entfernungen (innerhalb Polens, nach Belgien, Ungarn, in die Tschechische Republik) verdeutlichen das bestehende Risiko einer Einschleppung nach Deutschland durch menschliches Handeln. Durch das Auftreten der Tierseuche im Westen Polens ist allerdings auch dieses Risiko durch migrierende, infizierte Wildschweine nochmals deutlich gestiegen", stellt das Institut fest.

Das Risiko des Eintrags der Schweinepest nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird von den Experten als hoch eingeschätzt. Das Risiko der Einschleppung durch Erzeugnisse aus Schweinefleisch, die von infizierten Tieren stammen oder kontaminiert sind, entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines "worst-case scenario" ebenfalls als hoch bewertet. Die Gefahr einer Einschleppung durch den Jagdtourismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen wird als mäßig eingeschätzt. Das Risiko eines Eintrags der ASP durch infizierte Wildschweine wird in Regionen in der Nähe zu den betroffenen Gebieten in Belgien und Polen als hoch beurteilt. 

ASP Ausbrüche in der ersten Woche 2020

ASP im Baltikum, Belgien, Bulgarien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Ukraine und Ungarn in 2020 (Quelle: ADNS, Stand: 1.1.2020 - 7.1.2020)

  Hausschweine Wildschweine gesamt
Belgien      0      0    0
Bulgarien      1      0    1
Estland      0      1    1
Lettland      0      8    8
Litauen      0      2    2
Polen      0     12   12
Rumänien      7      4   11
Serbien      0      0    0
Slowakei      0      0    0
Ukraine      0      0    0
Ungarn      0     32   32

 

 

 

Empfehlungen für Tierhalter, Jäger und Tierärzte 

Angesichts des aktuellen ASP-Seuchenverlaufes in Europa ist insbesondere die Jägerschaft aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von Fallwild (Schwarzwild) der zuständigen Behörde zu melden und geeignete Proben (v. a. Blut, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich abklären zu lassen. Ein vereinfachtes Probennahmeverfahren wird im Merkblatt „Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen: Vereinfachtes Probennahmeverfahren für die passive Surveillance der ASP“ beschrieben (Download rechts auf dieser Seite). In Österreich ist seit 15. Dezember jedes verendete Schwarzwild meldepflichtig (Fleisch & Co hat berichtet)

Hier der offizielle Maßnahmenkatalog - Optionen für die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen im Seuchenfall des Friedrich-Loeffler-Instituts. 

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