Corona-Virus: „Enorme Auftragslage" bei Fleischereien

Österreichs Fleischereien sind gut versorgt. Das große Problem sind allerdings die Arbeitskräfte! Betriebe hoffen auf Gespräche des Außenministeriums mit den osteuropäischen Staaten.

18.03.2020
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Die heimischen Fleischerzeuger sind gut versorgt, allerdings bereiten ihnen die Grenzsperren Sorgen - denn ein erheblicher Teil ihrer Arbeitskräfte kommt aus Osteuropa. „Wir hoffen auf eine Sonderregelung wie sie auch für Pflegekräfte angestrebt wird” hieß es dazu heute von der Wirtschaftskammer.

Spar mit seinen Tann Fleisch- und Wurstwarenwerken sieht jedenfalls die Lieferfähigkeit voll gegeben. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche", so Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zur APA. Ein Problem mit einem Fleischermangel habe man nicht, dies würde eher die Schlachthöfe treffen. Nun gelte es, die Gespräche des Außenministeriums mit den osteuropäischen Ländern abzuwarten.
Das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich in den Spar-Märkten wieder auf ein übliches Maß eingependelt, es würden aber etwas mehr verpackte Fleischwaren als Produkte aus der Frischfleischabteilung gekauft.

Der bekannte Wiener Traditionsbetrieb Radatz bemerkt noch keinen Engpass bei seinen Lieferanten, aber eine „enorme Auftragslage”. „Unser Personal arbeitet mit unglaublichem Einsatz und zeigt den Zusammenhalt eines Familienunternehmens”, so Firmenchef Franz Radatz. Er registriert bei seinen Kunden bereits ein geändertes Einkaufsverhalten: „Hier wird zusätzlich auch einiges an Geld investiert, welches bis vor kurzem im Restaurant oder beim Fortgehen ausgegeben wurde.”

Im Schlachthof Rudolf Berghamer bemerkt der gleichnamige Firmenchef ebenfalls noch keinen Lieferengpass, eher sei zu viel Schlachtvieh auf dem Markt, insbesondere bei Kühen. Das Überangebot sei auf die Schließungen in der Gastronomie und die schwierige Exportlage zurück zu führen. Bei den Arbeitskräften merkt er noch keine Probleme, „aber mal schauen wie es nächste Woche ist”.

Österreich hat bei Fleisch einen Selbstversorgungsgrad von 109 Prozent. Rund 906.000 Tonnen Fleisch wurden zuletzt im Inland produziert. Die größten Anteile entfielen dabei auf Schweinefleisch mit 52 und Rindfleisch mit 24 Prozent. Der Inlandsverbrauch betrug 833.800 t Fleisch (94,8 kg pro Kopf). Das entspricht nach Abzug der Knochenanteile einem menschlichen Verzehr von 557.200 t Fleisch (63,4 kg pro Kopf). 909 Unternehmen im Bereich Schlachten und Fleischverarbeitung erzielten 2018 Umsatzerlöse in Höhe von 4,56 Mrd. Euro. Rund 18.000 Personen waren zuletzt unselbstständig in der Fleischwirtschaft beschäftigt.

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