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 "Äpfel sind Superfood aus Oberösterreich", sind sich Franz Allerstorfer, Obmann der Obstbauern OÖ, LK OÖ-Präsidentin LAbg. Michaela Langer-Weninger und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger einig.

Äpfel aus Oberösterreich brauchen faire Bedingung

Klare Herkunftskennzeichnung gefordert – heimische Äpfel bedeuten aktiven Klimaschutz

04.11.2019
Herkunftskennzeichnung

Am 8. November ist Tag des Apfels. Für die Obstbauern ist dieser Tag ein willkommener Anlass, um an die Bedeutung der Leitfrucht im heimischen Obstanbau zu erinnern. Für den Konsum österreichischer Äpfel sprechen vor allem folgende Aspekte: der Wunsch der Konsumentinnen und Konsumenten nach heimischer Herkunft und die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf Umwelt und Klima.

Der Apfel ist mit 395 Hektar Anbaufläche in Oberösterreich unter den Obstarten die unangefochtene Nummer Eins mit 85 Prozent der Obstanbau-Fläche. Die Tafelapfel-Fläche ist von 2012 bis 2017 von 338 auf 395 Hektar gestiegen, das ist ein Plus von 16,85 Prozent, 85 bäuerliche Betriebe beschäftigen sich in Oberösterreich mit dem Anbau von Tafeläpfeln. Die Ernte war mit 20.000 Tonnen in Oberösterreich heuer gut. Im wichtigsten österreichischen Apfel-Bundesland, der Steiermark, rechnet man heuer mit einer Ernte von 144.000 Tonnen Tafeläpfeln. Intensivobstkulturen haben in Oberösterreich in den vergangenen Jahren stets Zuwachs bekommen, ein Beweis für die Innovationskraft der Bäuerinnen und Bauern in diesem Spezialsektor der Landwirtschaft.

Kauf heimischer Äpfel ist fairer Handel

Die oberösterreichischen Obstbauern produzieren nach strengsten Produktionsauflagen und Qualitätskriterien. Sie vertrauen auf die Kunden aus der Region und wollen Partner des heimischen Lebensmittelhandels sein. „Die Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich aber darauf verlassen können, dass im Regal drinnen ist, was auf den Etiketten draufsteht. Daher fordern wir mit Nachdruck eine klare Herkunftskennzeichnung, ohne Vermischung unterschiedlicher Herkunftsländer im Supermarktregal. Heimische Ware sollte im Lebensmitteleinzelhandel aufgrund der nachhaltigen Produktion klar bevorzugt werden, weil das auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz ist. Unsere Obstbauern brauchen einen fairen Wettbewerb und faire Rahmenbedingungen“, sind sich Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger einig.

Herkunft ist wichtiges Einkaufskriterium

Die aktuelle Roll-AMA-Motiv-Analyse, in der viermal jährlich die wichtigsten Entwicklungen auf den Frische-Märkten dargestellt werden, zeigt: Die Herkunft ist für die Österreicherinnen und Österreicher ein wichtiges Einkaufskriterium. 30 Prozent der Befragten geben an, dass sie beim Einkauf auf die heimische Herkunft achten, 19 Prozent achten auf die kontrollierte Qualität und 17 Prozent auf die Regionalität. Für den regionalen Einkauf sprechen laut Umfrageergebnisse für die Konsumenten nicht nur kurze Transportwege und die damit einhergehende Verkehrsreduktion, sondern auch die Frische und das Faktum, dass durch den regionalen Einkauf heimische Betriebe unterstützt werden. „Die Bedingungen sind zurzeit sogar innerhalb der EU für die Obstbauern höchst unterschiedlich: Es gibt verschiedene Zugänge zu Saisonarbeitskräften, zu zugelassenen Pflanzenschutzmitteln und für den Obstbau sehr unterschiedliche Steuersysteme. Sollte es hier zu keiner deutlichen Entzerrung des Wettbewerbs kommen, droht der heimische Apfelanbau unter die Räder zu kommen“, so Langer-Weninger.

Naturnahe Produktion schont die Umwelt

Im Rahmen einer naturnahen Produktion, der sogenannten „Integrierten Produktion“, setzen die oberösterreichischen Obstbauern alle Maßnahmen, welche das Pflanzenwachstum fördern, die Schadorganismen in ihrer Wirkung begrenzen und schonend sind für Umwelt und Natur. „Wir verzichten bewusst auf viele chemische Pflanzenschutzprodukte, welche nicht unbedingt der Sicherung einer markt- und qualitätsorientierten Erträge dienen, sondern nur eine kurzfristig preiswertere Methode für den internationalen Massenmarkt darstellen. Vor allem verzichten wir auf jene Herbizide, Fungizide und Insektizide, die als negativ und als umweltbelastend gesehen werden“, sagt der Obmann der OÖ Obstbauern Franz Allerstorfer.

Pflanzenschutz-Warndienst im Obstbau

Die Obstbauern setzen gezielt auf den Pflanzenschutzwarndienst im Obstbau, um das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen so zeitnah wie möglich, mit den geringsten erforderlichen Mitteln effizient einzudämmen. Bei der Bekämpfung des Apfelwicklers, welcher die „wurmigen“ Äpfel verursacht, setzen die Apfelbauern auf die Verwirrung mit Pheromonfallen, welche bewirken, dass sich Männchen und Weibchen dieses Schädlings nicht mehr finden. Bei der Pflege des Baumstreifens verzichten die oberösterreichischen Produzenten als einzige Obstbauern in Österreich auf Herbizide. Die Beikräuter unter den Bäumen werden durch die mechanische Pflege dieses Streifens mit Hilfe von Hackgeräten und Wildkrautbesen reguliert. Singvögel und Greifvögel werden durch Nistkästen und Sitzstangen gefördert, für Nützlinge, welche etwa Blattläuse dezimieren, werden Insektenhotels angebracht.

Regionaler Einkauf ist Klimaschutz

Der Einkauf heimischer Lebensmittel stärkt nicht nur die Region, sondern trägt durch die Bindung von Kohlendioxid bei der Produktion auch zum Klimaschutz bei. Dies sei anhand eines Beispiels gezeigt: Gesicherte Messergebnisse zeigen, dass eine Fünf-Kilometer-Autofahrt ein Kilogramm Kohlendioxid freisetzt. Humus besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff. Ein Prozent Humus im Boden bindet ca. 50 Tonnen Kohlendioxid. Eine Apfelanlage mit ihrer dauernden Begrünung hat einen Humusgehalt von zumindest vier Prozent. Das bedeutet eine Kohlendioxid-Bindung von 200.000 Kilogramm, die wiederum das Kohlendioxid von einer Million Autokilometer binden.

Höchst positive Klimabilanz des heimischen Apfels gegenüber Tropenfrüchten

Bei ca. 30 Tonnen Apfelertrag pro Hektar bringt jedes Kilogramm der heimischen Frucht ca. sieben Kilogramm Kohlendioxid-Bindung, während etwa ein Kilo aus Brasilien importierter Papaya-Früchte schon mit einem Fünf-Kilogramm-Rucksack durch den Transport negativ zu Buche schlägt. Dazu kommt, dass man um den Kilopreis dieser tropischen Frucht von rund 15 Euro etwa sieben bis zehn Kilo an hervorragenden heimischen Äpfeln bekommt. „Wer also beim Einkauf schon auf Umwelt- und Klimaschutz achten will, kauft am besten heimische und saisonale Ware. Der heimische Apfel reist nicht um den halben Globus, bevor er im Einkaufskorb landet“, betont Hiegelsberger. Apfelbauern findet man in allen Vierteln Oberösterreichs, sodass für jeden die Möglichkeit besteht, seine Äpfel direkt beim Produzenten, in Hofläden oder auf Bauern- und Wochenmärkten zu kaufen.

Breites Sortiment an Äpfeln bester Qualität

Der heurige Herbst war gekennzeichnet durch warmes, sonniges Wetter bei Tag und kühle Nächte. Dieses Wechselspiel ließ die oberösterreichischen Äpfel heuer besonders gut reifen, mit einem ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis. Schonende Ernte und Einlagerung bewahren den Wert dieser hoch sensiblen Frucht. „Der Apfel kann ohne jede Verpackung gekauft, gelagert, in den Kindergarten, die Schule oder an den Arbeitsplatz mitgenommen werden. Zu Recht kann man den Apfel in dieser Hinsicht als das älteste Fast-Food der Welt bezeichnen, welches noch dazu sehr gesund ist, gut schmeckt und auch keine Plastik-Verpackung braucht.“, betont Allerstorfer. „Mit unserer Arbeit wollen wir die regionale Selbstversorgung und Wettbewerbsfähigkeit im oberösterreichischen Obstbau auf höchstem Niveau sicherstellen und dabei auch umwelt- und klimaschonend arbeiten“, betont Obmann Allerstorfer abschließend.

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