Rettung für abgebrannte Fleischerei in Gars

Firma Kocourek kann in der Firma Riepl in Gallneukirchen interimistisch weiter produzieren.

07.08.2013
© Privat

Brand Gars: Der Gesamtschaden für den Fleischereibetrieb Kocourek beläuft sich auf ca. 3,5 Mio. Euro, die Brandursache ist nach wie vor ungeklärt

Ende Juni ist der Fleischereibetrieb von Wolfgang Kocourek in Gars am Kamp zur Gänze abgebrannt. Insgesamt ist an der Betriebshalle ein Gesamtschaden von rund 3,5 Mio. Euro entstanden, für den Garser Unternehmer das Ende. Doch nur wenige Wochen nach der Katastrophe haben Wolfgang Kocourek und seine Mitarbeiter wieder eine Perspektive. „In Gallneukirchen in Oberösterreich können wir bei der Riepl KG zwischenzeitlich weiterproduzieren“, freut sich Wolfgang Kocourek über die Zukunft seines Betriebes. Die Verwaltung des Fleischereibetriebes wird über ein Notbüro getätigt, dass Unternehmensberater und Wirtschaftsbund-Waldviertel-Sprecher Ing. Mag. Werner Groiß zur Verfügung stellt.
„Wir haben versucht, Fleischereibetriebe mit Platz und Kapazitäten zu finden“, berichtet Groiß, der sich gemeinsam mit Kocourek auf die Suche machte: „In Gallneukirchen sind wir jetzt fündig geworden." Somit werden auch Arbeitsplätze gerettet. „Die zwei Mitarbeiterinnen im Büro sitzen inzwischen bei uns im Bürogebäude, zehn Mitarbeiter pendeln nach Gallneukirchen. Besonders freut mich aber, dass die beiden Lehrlinge ihre Ausbildung fortsetzen können.“
Insgesamt können somit 14 Arbeitsplätze gerettet werden. Wolfgang Kocourek sieht zuversichtlich in die Zukunft: „Für mich geht es darum, meine Kunden - vor allem Großabnehmer - wieder zu gewinnen. Immerhin konnten wir jetzt sechs Wochen nicht produzieren.“ Ab kommender Woche werden die Produkte unter der Marke „da Waldviertler“ wieder bei den Nah&Frisch Märkten der Region, bei Penny, Billa, Hofer und ADEG zu beziehen sein. Auch langfristig hofft der Fleischer wieder auf die Beine zu kommen: „Werden die Produkte wie bisher von den Kunden angenommen, dann können wir dem Wiederaufbau in Gars mit Optimismus entgegen sehen.“

Dabei war Kocourek auch davor nicht gerade vom Glück verfolgt: Voriges Jahr rutschte das Unternehmen mit 4,6 Mio. Euro Schulden in die Insolvenz. Die Gläubiger erklärten sich aber bereit, auf 70 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten, der Betrieb wurde fortgeführt. Damit hätte der Brand Ende Juni für Kocourek hätte das Ende bedeutet, wenn nicht so rasch eine interimistische Produktionsstätte sowie Hilfe vom Wirtschaftsbund dagewesen wäre. Zumal sich das Unternehmen immer noch in der „Erfüllungsphase“ für den Sanierungsplan befindet. Denn „wirtschaftlich ist die Insolvenz noch nicht bereinigt“, sagt Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband KSV.
Im Mai 2012 war über den Betrieb ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet worden. Da die Gläubiger einer 30-prozentigen Quote zugestimmt haben, wurde das Verfahren Anfang November 2012 wieder aufgehoben, so Klikovits. Aber: Die letzte Rate ist erst am 1. August 2014 fällig. „Erst da wird man wissen, ob der Sanierungsplan erfüllt wurde. Wenn ja, sind die Schulden damit getilgt. Da bleibt nur zu hoffen, dass was den Brand betrifft eine Versicherungsdeckung gegeben ist,“ so der Kreditschützer. Die Erfüllungsphase, in der sich Kocourek momentan befindet, sei für Unternehmen „grundsätzlich hart.“ Gelte es doch, viel anzusparen, um die alten Schulden zu tilgen.
 
Die Brandursache ist übrigens nach wie vor ungeklärt, die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
(Red/APA)

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