Pferdefleisch-Skandal zieht weite Kreise

Der Skandal rund um das als Rind deklariertes Pferdefleisch in Fertiglasagne in britischen Supermärkten weitet sich aus. Landwirtschaftsminister Berlakovic findet den Skandal bezeichnend für einen Teil der Lebensmittelindustrie

12.02.2013
Pferdefleisch
© thinkstock

In Frankreich nahmen nach Medienberichten sechs Supermarktketten Lasagne und andere Fertiggerichte aus dem Sortiment. In Deutschland verschärfte das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium die Produktkontrollen. Rumänien leitete eine Untersuchung von Schlachthöfen ein, wo das Pferdefleisch hergekommen sein soll.

Der britische Umweltminister Owen Paterson schließt daher eine internationale kriminelle Verschwörung nicht aus und stellt sich auf „weitere schlechte Nachrichten“ ein. Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt gegen den Tiefkühlkonzern Findus. Österreich sei von dem  Skandal nicht betroffen, stellte Carolin Kreji von der Abteilung für Lebensmittelrecht, -Sicherheit und -Qualität des Gesundheitsministeriums klar. „Wir haben aber eine Schwerpunktaktion auf das Ziehen von Proben veranlasst. Es geht spezifisch um Fertiggerichte aus Rindfleisch. " Für Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich ist der aktuelle Skandal bezeichnend für einen Teil der Lebensmittelindustrie, die „den letzten Cent bei der Herstellung herauspressen will ", wie er am Rosenmontag bei einer Pressekonferenz erklärte

Das Pferdefleisch war den Behörden in Lasagne-Packungen aufgefallen. Darin waren nach Angaben der britischen Lebensmittel-Aufsicht FSA bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Erste Spuren führen zu einem französischen Produzenten, der Fleisch unter anderem aus Rumänien bezieht. Erst Ende kommender Woche erwartet die FSA darüber Klarheit, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist. Begonnen hatte der Fall Mitte Januar mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren in Produkten in Irland. Die britische Polizei hat bislang keine Ermittlungen aufgenommen. Hersteller wurden aber verpflichtet, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen. Der Discounter Aldi in Großbritannien gab im Zuge dessen an, dass zwei Fertigprodukte eines französischen Herstellers zu 30 bis 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden hätten.
Umweltminister Paterson sagte am Sonntag: „Ein Produkt als Rindfleisch zu verkaufen, was sehr viel Pferdefleisch enthält, ist Betrug.“ Optimistischere Stimmen gehen jedoch von einem Fall von eklatanter Inkompetenz aus.
Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt mittlerweile gegen den Tiefkühlkonzern Findus. Die Behörde teilte am Sonntag mit, man wolle vor weiteren Schritten wie einer möglichen Einschaltung der Polizei den Umfang dieses Betrugs mit Lebensmitteln klären. Denn Findus hatte Anfang Februar die Behörden darauf aufmerksam gemacht, dass in einem eigenen Lasagneprodukt Pferdefleisch statt des eigentlich deklarierten Rindfleisches entdeckt worden sei. Das Unternehmen hat nach Medienangaben in Schweden etwa 20.000 Packungen aus Supermärkten zurückgerufen. Findus-Sprecher Jari Latvanen sagte im Rundfunksender SR, sein Unternehmen habe Anzeige gegen den französischen Lieferanten Comigel erstattet.

In Frankreich nahmen sechs Supermarktketten als Reaktion auf den Eklat Lasagne und andere Fertiggerichte aus dem Sortiment, berichtete der Radiosender France Info. Dabei handelt es sich demnach um Produkte von Comigel und Findus. «Wir sind betrogen worden. Es gibt zwei Opfer in dieser Affäre: Findus und den Konsumenten», teilte Matthieu Lambeaux von Findus Frankreich mit.

Das Unternehmen Comigel teilte dem Radiobericht zufolge mit, es habe das Fleisch in gutem Glauben vom französischem Zulieferer Spanghero gekauft. Dieser wiederum weist auf einen rumänischen Zuliefer.
Rumäniens Staatschef Traian Basescu äußerte sich besorgt um das Image seines Landes. Das EU-Land Rumänien werde „für viele Jahre an Glaubwürdigkeit verlieren“, sollte sich herausstellen, dass rumänische Lieferanten falsche Angaben über das Fleisch gemacht hätten.
Landwirtschaftsminister Daniel Constantin hatte eine Untersuchung zweier verdächtiger Schlachthöfe angeordnet. Einer dieser Betriebe sei vermutlich nicht der Etikettenschwindler, weil er ausschließlich Pferdefleisch in EU-Länder liefere - und dies offen und offiziell, erklärte das Ministerium. Mit einem abschließenden Untersuchungsbefund sei ab 11.2. zu rechnen. 

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