Neuer Pferdefleischskandal in Frankreich

Sport- sowie Versuchstiere aus der Pharmaindustrie sollen seit Jahren in die Nahrungsmittelkette gelangt sein, 21 Personen wurden bereits festgenommen

17.12.2013
© Sanofi Corporate

Versuchstiere des Pharmakonzerns Sanofi sollen seit unbestimmter Zeit in den Nahrungsmittelkreislauf gelangt sein – ermittelt wird sowohl gegen Sanofi, als auch gegen Fleischhändler und Tierärzte

Pferde aus der Pharmaforschung und aus Reitställen könnten in Frankreich illegal für die Lebensmittelproduktion geschlachtet worden sein. Nach Angaben von offizieller Seite fanden am Montag, 16.12., Durchsuchungen in elf Departements statt. Rund 100 Polizeibeamte waren im Einsatz, 21 Personen wurden festgenommen.
Den Anschuldigungen zufolge sollen unter anderem Pferde aus Forschungseinrichtungen des Pharmariesen Sanofi an Schlachtereien verkauft worden sein.  Es gehe diesmal nicht um als Rind deklariertes Pferdefleisch, betonte der französische Verbraucherminister Benoit Hamon in Bezug auf den europaweiten Pferdefleischskandal Anfang des Jahres. Diesmal seien eventuell Tierkörper, die beseitigt werden sollten, in Fleischereien gelandet. Auf ein konkretes Gesundheitsrisiko für Verbraucher gab es zunächst keine Hinweise.

Ein Sprecher des Pharmaunternehmens Sanofi sagte, die Pferde würden genutzt, um Antikörper für die Serumherstellung zu gewinnen. Diese würden für eine ganze Reihe von Medikamenten eingesetzt, vom Mittel gegen Tollwut bis hin zu Gegengiften bei Schlangebissen. "Die Pferde sind eine Fabrik für Antikörper", sagte er. Die Tiere aus der Serumproduktion seien gesund, ihr Fleisch sei aber nicht für die menschliche Ernährung zugelassen. Sanofi arbeite mit den Ermittlungsbehörden zusammen, so der Sprecher.

Es sei nicht bekannt, wie lange der Betrug mit dem Pferdefleisch schon gehe. Es könnte das Fleisch Hunderter solcher Pferde in den Handel gelangt sein. Allein in den vergangenen drei Jahren seien bei Sanofi rund 200 Pferde ausgemustert worden. Französischen Medienberichten zufolge wurden die Pferde an Händler verkauft, die vermutlich die Veterinärdokumente fälschten. Sie seien als Schlachttiere für die Fleischgewinnung deklariert worden. Unter den Festgenommenen befinden sich neben Händlern auch Fleischproduzenten und Tierärzte. (Red./APA)

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