Kritik an Ferkelkastration

In Österreich wächst die Kritik an der - erlaubten - Praxis der Ferkelkastration. Bauernvertreter werten sie als „schmerzarm“, Tierschützer sprechen von extremer Tierquälerei und fordern eine Verschärfung der geltenden Gesetze.

01.09.2016
Ferkel
© Thinkstock

Es trifft die männlichen Ferkel in ihren ersten Lebenstagen: Damit das Fleisch später keinen Eber-Geschmack annimmt, werden die Kleinen kastriert: „Bei der Kastration ist es so geregelt, dass innerhalb der ersten sieben Lebenstage diese Maßnahme ohne Schmerzbehandlung durchgeführt werden darf - und zwar vom Landwirt“, erklärt Johannes Baumgartner von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Zweieinhalb Millionen Mal wird das laut Veterinärmedizin in Österreich so durchgeführt: Ohne Narkose. Wie jedes Lebewesen haben auch Schweine an den Geschlechtsteilen die meisten Nerven - und das größte Schmerzempfinden: "Wer schon Bauchschmerzen gehabt hat und Eingeweideschmerz insbesondere nach Operationen, der wird das möglicherweise nachvollziehen können. Dieser Schmerz ist erheblich“, gibt Baumgartner zu bedenken.

Für Tierschützer ist die Kastration in dieser Form extreme Tierquälerei. Bauernvertreter sprechen davon, dass es auf freiwilliger Basis schon seit Jahren eine „schmerzarme“ Kastration gebe: „Da streiten sich in Wahrheit Experten, Tierärzte, Wissenschafter: Ist es notwendig, Schmerzen hundertprozentig auszuschalten oder die Schmerzen ertragbar zu machen? Und das ist die Grundlage, dass wir noch ein paar Jahre brauchen, um wissenschaftlich fundierte Ergebniss zu erlangen, was auch für das Ferkel das beste ist“, so Kurt Tauschmann, Obmann von Styriabrid.

Tierschützer sehen das anders: Es gebe klare Alternativlösungen für die derzeitige Praxis, etwa die sogenannte „Imunkastration“ mittels Spritzen: „Es gibt jetzt keine Notwendigkeit mehr einer großartigen Diskussion. Wir brauchen jetzt eine Lösung. Viele, viele Jahre haben die männlichen Ferkel schon diese Schmerzen erleiden müssen, jetzt muss Schluss damit sein.“ Und das nicht in einigen Jahren, sondern wie in Deutschland mit Anfang 2019, fordern die Tierschützer.

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