Indien wird Fleischgigant

In den vergangenen beiden Jahren ist Indiens Verhältnis zum Rind noch widersprüchlicher geworden, als es ohnehin schon war. Einerseits nahmen in dem Land, in dem Kühe für die große Mehrheit der Bevölkerung heilig sind, die Übergriffe auf Verkäufer und Produzenten von Rindfleisch zu. Trotzdem stieg Indien im Jahr 2014 zum größten Rindfleischexporteur der Welt auf.

27.10.2016
Indien
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In weniger als zehn Jahren konnte das Land seinen Export von gut 0,6 Millionen Tonnen auf mehr als 2 Millionen Tonnen mehr als verdreifachen. Rindfleischexporte lösten inzwischen sogar Basmatireis als das Agrarprodukt ab, mit dem das Land den meisten Exportumsatz macht. Und ein Ende dieses Wachstums ist nicht absehbar.

Um den Widerspruch zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die indische Landwirtschaft und die internationale Definition von Rindfleisch. Indien ist Heimat der größten Wasserbüffel-Population der Welt. In seiner aktuellen Schätzung zum Viehbestand aus dem Jahr 2012 geht das Land davon aus, dass rund 109 Millionen Wasserbüffel dort als Nutzvieh leben - mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes. Und in der Exportstatistik wird deren Fleisch ebenfalls unter der Kategorie Rindfleisch geführt. Offiziell exportiert Indien kein einziges Kilo Kuh-, sondern ausschließlich Büffelfleisch.

Abnehmer dafür sind vor allem Länder aus Südasien, Afrika und dem arabischen Raum, wie eine aktuelle Studie der US-Landwirtschaftsbehörde USDA zeigt. In Europa und den USA stehe es vor allem deshalb nicht auf der Speisekarte, weil es als weniger zart gilt und oft den dortigen Vorschriften nicht genügt. Insbesondere im Niedrigpreissegment von Entwicklungsländern sei das indische Fleisch wegen seines relativ geringen Preises aber schon heute kaum zu schlagen.

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