Heimische Geflügelbauern machen auf ihre dramatische Situation aufmerksam

Beschlossene Petitionen fordern Politik zum Handeln auf - "Geiz ist geil"-Mentalität schadet Tieren und Wirtschaft.

14.03.2013
© thinkstock

Die österreichischen Geflügelbauern können und wollen die prekäre Situation am heimischen Markt nicht länger hinnehmen. Ein deutliches Signal hierfür war gestern eine Großveranstaltung betroffener Landwirte auf dem Wieselburger Messegelände. Angesichts der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Lage hatten die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG), die Geflügelmastgenossenschaft (GGÖ) und die Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) betroffene Landwirte zur Diskussion eingeladen. Über 1.000 Geflügelbauern waren dem Ruf gefolgt und forderten die Politik auf, endlich zu handeln.
 
Österreichische Qualitätsprodukte werden von Billigimporten verdrängt Grund für den Ärger der Branche ist, dass österreichische Qualitätsprodukte aufgrund extremer Wettbewerbsverzerrungen preislich kaum mehr mit Billigimporten aus Nachbarländern mithalten können. Dies hat bereits dazu geführt, dass heimische Betriebe die Einstallung von Putenküken erstmals in der Geschichte wochenweise aussetzen. Das ist ein deutliches Anzeichen, dass die Existenz der gesamten Branche bedroht ist. Nur wenn neuen und fairen Standards in der Geflügelhaltung zur Durchsetzung verholfen wird, haben die österreichischen Landwirte auch in Zukunft eine Chance, nicht unter die Räder der Billigproduktion in Nachbarstaaten zu kommen. So fordert die von GGÖ und ZAG ins Leben gerufene Petition die Umsetzung des "All In One "-Programms der QGV. Das in Kooperation mit zahlreichen Fachtierärzten entwickelte Programm zielt darauf ab, die Auflagen für die Geflügelmastbetriebe an die Gesundheit der Tiere zu koppeln, anstatt sich auf eindimensionale Faktoren zu beschränken. Die damit verbundenen Verbesserungen sollen auch für die Konsumenten sichtbar kommuniziert werden.
 
Robert Wieser, Obmann der GGÖ, erklärte im Rahmen der Veranstaltung, dass das "All In One "-Programm "die kontinuierliche Verbesserung der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit im Sinne der Konsumenten und der Tiere " vorantreiben soll. Nur damit, so Wieser, könne "in Zukunft die Produktion von qualitativ hochwertigen Geflügelprodukten in Österreich erhalten werden, so wie sich das die heimischen Konsumenten wünschen ". Auch Martina Glatzl, Obfrau der QGV, betonte, dass Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch seien: "Je mehr in einem Betrieb auf die Gesundheit der Tiere geachtet wird, desto hochwertiger ist das Produkt. Letztendlich profitieren davon die Erzeuger, die Tiere und die Konsumenten gleichermaßen. " Österreich könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen: "Die Politik hätte die einmalige Chance, nach einer Antibiotika-Datenbank auch Tiergesundheitsindikatoren einheitlich zu überwachen und gegebenenfalls zu sanktionieren. Hier wären wir wieder meilenweit vor den EU-Nachbarländern ", so Glatzl.
 
Klare Lebensmittel-Kennzeichnung und faire Einheitswertberechnung gefordert "Die gegenwärtig schwierige Marktsituation der Geflügelwirtschaft ergibt sich auch aus der fehlenden klaren Kennzeichnung von Lebensmitteln ", erklärte Franz Schrall, Obmann der ZAG. Die oft fehlende oder für Konsumenten missverständliche Produktauslobung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform müsse behördlich klar geregelt werden, so der Obmann. Die auf der Versammlung anwesenden Tierhalter unterstützten dieses Anliegen ebenso wie die Forderung nach einer fachlich argumentierten Gleichstellung der geflügelhaltenden Betriebe mit anderen Sparten der österreichischen Tierhaltung im Zuge der Neuberechnung der Einheitswerte. Auch Theresia Meier, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Obfrau der SVB, sowie Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, äußersten sich kritisch zu dieser Wettbewerbsverzerrung und meinten unisono, dass die "Geiz ist Geil-Mentalität " weder in der Landwirtschaft noch bei Lebensmitteln etwas zu suchen habe.
 
ZAG, GGÖ und QGV betreuen Geflügelbauern Die Dachorganisation ZAG ist die einzige bundesweit anerkannte, freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Geflügelwirtschaft und setzt sich damit sowohl für die Interessen der heimischen Eierproduktion als auch der Geflügelmast ein. Der Dachverband sieht sich als Partner für eine wachsende, profitable und verantwortungsvolle Eier- und Geflügelproduktion. Die Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ) ist eine bundesweite Erzeugergemeinschaft, die von rund 400 Geflügelbauern aus dem gesamten Bundesgebiet gebildet wird. Etwa 60% der heimischen Masthühner- und Truthühnerproduktion stammen aus Betrieben, die der GGÖ angehören.
Die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) ist der anerkannte bundesweite Geflügelgesundheitsdienst nach der Tiergesundheitsdienst-Verordnung. Aufgabe der QGV ist die Qualitätssicherung in der Eier- und Geflügelproduktion, mit der eine maximale Lebensmittelsicherheit und Produktqualität zum Wohle der Konsumenten sichergestellt werden soll. (Red./AIZ)

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