EU-Schweinemarkt: Russischer Importstopp führt zu Irritation

Der EU-Schweinemarkt stellte sich bis Mitte der vergangenen Woche ausgesprochen freundlich dar. Das frische Angebot wurde zügig nachgefragt, in zahlreichen Ländern erwartete man festere Preise. Leider haben sich diese Hoffnungen

05.02.2014

Nach dem Fund von zwei toten Wildschweine in Litauen, die mit der afrikanischen Schweinepest infiziert worden waren, schloss Russland sofort die Grenzen für sämtliches unverarbeitetes Schweinefleisch aus der gesamten EU. Da immerhin etwa ein Viertel der EU-Ausfuhren in diesem Bereich nach Russland gehen, waren die Marktauswirkungen sofort spürbar. Verunsicherung erfasste in der Folge EU-weit die gesamte Schweinebranche.

Obwohl die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften in Deutschland Ende letzter Woche auf unveränderte Preise hoffte, gingen fast alle namhaften Schlachtunternehmen unseres Nachbarlandes auf Konfrontation. Branchenriesen wie Tönnies, Vion und Danish Crown senkten ihre Notierungen am Montag um 5 Cent, Westfleisch korrigierte den neuen Auszahlungspreis um 3 Cent, wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) mitteilt. Im Fahrwasser der deutschen Schlachtunternehmen wurden auch in den Niederlanden die Preise um 5 Cent und in Belgien um 4 Cent nach unten gedrückt. Obwohl sehr stark vom Exportstopp betroffen, hat Danish Crown auf seinem Heimatmarkt in Dänemark bislang nicht reagiert und die Notierung am vergangenen Donnerstag auf Vorwochenniveau belassen.

Situation in Österreich
Auch in Österreich führte die russische Entscheidung zu Verunsicherung in der Fleischbranche. Da man hierzulande vergangenes Jahr die Schweinefleischexporte nach Russland mit gut 10.000 t verdreifachen konnte, reagieren heimische exportorientierte Abnehmer mit abwartendem Bestellverhalten. Da auch das inländische Angebot unterdurchschnittlich ausfällt, wurde der Preis an der Schweinebörse auf Vorwochenniveau gehalten. Der Mastschweine-Notierungspreis liegt daher diese Woche weiter bei EUR 1,59 (Berechnungsbasis: EUR 1,49 je kg).

Blick Richtung Russland
Wie es am europäischen bzw. am österreichischen Schweinemarkt weitergeht, ist unklar. Fakt ist, dass Veterinäre aus Brüssel und Moskau zurzeit die Sachlage vor Ort in Litauen erkunden, um anschließend  eine Sachverhaltsdarstellung nach Moskau zu übermitteln.
Um den Warenfluss wieder in Gang zu bringen, interveniert die EU-Kommission, um den Russen Exporte aus europäischen Regionen, die nachweislich virusfrei sind, schmackhaft zu machen. „Wenn es hier nicht binnen weniger Tage zu einer positiven Entscheidung kommt, ist ein Angebots- und Preisdruck zu erwarten“, betonte Johann Schlederer von der Schweinebörse. Nachsatz: „Hoffentlich müssen bei den Olympischen Spielen in Sotschi noch einige Kühlräume aufgefüllt werden“, so Schlederer.

(Red./AIZ)

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